Dienstag, 1. August 2017

Die Mütter sind Schuld?

Über den Blog von Mama Notes bin ich heute auf diesen Artikel gestossen und war erschrocken...


Ich finde ihre Worte dazu sehr treffend und könnte etwas hinzufügen aus ganz vielen Perspektiven.

Aus Perspektive der Frau, der Mutter, der Tochter...

Ich möchte etwas hinzufügen als pädagogische Fachkraft und studierende der sozialen Arbeit.

Es geht um Perspektivwechsel, um Empathie, um gesellschaftliche Verantwortung, um neue Wertevermittlung an zukünftig arbeitende Fachkräfte. Lasst einfach mal zwei Szenen auf Euch wirken...

Wir befinden uns in einer Seminarstunde im Fachbereich "angewandte Sozialwissenschaften" im Bereich Psychiatrie...

Thema: Trennung und Scheidung

Das transportierte Frauenbild empfand ich schon überaus veraltet und Frauenfeindlich. Frauen wurden dargestellt als "verlassene, trauernde, mit sich selbstbeschäftigte Menschen" die "in ihrer Trauer nicht in der Lage sind sich um die Trauer ihrer Kinder zu kümmern" und "aus Wut und Trauer" bei den Kindern ein "schlechtes Vaterbild projizieren".

Ich war sprachlos und fragte mich:

"Wo sind die selbstbewussten Frauen die ihre Männer verlassen um sich aus patriarchalen Beziehungen zu lösen?"

"Wo sind die selbstständigen Frauen die jeden Tag arbeiten um ihre Familien zu ernähren?"

"Wo sind die Frauen die so stark und mutig sind und sich aus gewalttätigen Beziehungen lösen?"

"Wo sind die Frauen die ihre Männer verlassen?"
Und weiter:

"Wo sind die Väter?"

Zum Thema Väter gab es ein ganz klares Bild und eine ganz klare Aussage:

"Mütter haben alles zu tun um einen guten Vater-Kind-Kontakt herzustellen egal was einmal war!"

Ich war sprachlos und stellte mir wieder eine Frage:

"Warum sind die Mütter für die Vater-Kind-Beziehung verantwortlich? Ist denn nicht viel mehr jeder Mensch für seine Beziehung zum Kind selbst verantwortlich?"

Wechsel...

Thema:  Bindung und Bindungsstörungen

Im Seminar ging es um Bindungsaufbau zwischen Müttern und Kindern und schon in der Einleitung stellte ich mir die Frage:

"Wo sind denn die Väter?"
"Was ist denn in gleichgeschlechtlichen Familien?"
"Was ist wenn Kinder bei anderen Bezugspersonen aufwachsen?"

Es gab auch Beispiele...

Ich fand die Beispiele sehr veraltet. Das fand ich auch in anderen Themenbereichen des Seminars schon und so schauderte ich und dachte mir meinen Teil.

Dann kamen diese Beispiele:

Kinder könnten heute immer weniger Empathie entwickeln weil sie immer schlechter Gesichter lesen könnten. Und woran das läge war auch schnell erklärt: am Jugendwahn der Mütter!

Diese würden sich nämlich ihre Falten mit Botox glätten lassen und es wisse ja jede*r das Botox die Gesichtszüge so lahmlegt das die Kinder keine Gefühle mehr wahrnehmen und lernen könnte.

Ein studierender Mensch führte dann gleich das Beispiel der Spielplatzsituation mit Smartphoneeltern an (Jaaaa ihr lieben die Sau wird nicht nur durchs virtuelle Dorf getrieben).

Auch hier kam wieder das Beispiel der am Handy sitzenden Mütter die nicht für ihre Kinder ansprechbar sind, keinen Blickkontakt aufbauen und ihren Kindern weder Liebe noch Aufmerksamkeit geben.

Auch hier fragte ich mich wieder:

"Wo sind denn die Väter?"
"Was ist denn in gleichgeschlechtlichen Familien?"
"Was ist wenn Kinder bei anderen Bezugspersonen aufwachsen?

Und diesmal fühlte ich mich angesprochen doch einmal die Elternperspektive zu vermitteln. Ich führte an das die meisten Eltern sehr wohl gut für ihre Kinder sorgen, das die wenigsten Mütter in der Lage sind sich regelmäßige Botoxbehandlungen leisten zu können und Eltern ihren Kinder meistens doch zugewandt und liebevoll begegnen würden. Sie hätte sie nämlich gewünscht, geboren und würden sie lieben.

Und dann stellte ich eine Frage um die es mir viel mehr ging:

Müssen wir als (zukünftige) Fachkräfte nicht viel mehr fragen warum das so ist?

"Warum gibt es Eltern die sich völlig in virtuelle Welten zurückziehen?"

"Welche Verantwortung hat die Gesellschaft daran?"

"Was müssen wir als Fachkräfte tun?"  (Spoiler: Elternbashen jedenfalls nicht!)

Insgesamt hatte ich innerhalb dieses Seminars mehrfach das Gefühl das Mütter so ziemlich die gefährlichsten Personen für ihre Kinder sind und Mensch sie am besten noch im Kreissaal trennen sollte.
Und andererseits das Müttern die alleinige Kompetenz, Verantwortung und Macht für Heil und Niedergang der Kinderseelen übertragen wird. 

Und ich stelle mir die Frage:

"Wie soll sich etwas ändern wenn Fachkräften ein solches Familien- und Rollenbild vermittelt wird?"




Kommentare:

  1. Die Frage stelle ich mir auch schon lange. Wenn Erzieher aus der Ausbildung zu mir kommen und abwertend sagen: "Die Mutter lässt ihr Kind ja auch schon mit anderthalb den ganzen Tag in der Krippe" stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Es gibt immer noch so viel Aufklärungsbedarf!

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    1. Das stimmt. Und bei Erzieher*innen kommt dann ja noch die Abwertung der eigenen Arbeit dazu. Habe dazu letztens eine ganz ganz wundervolle Tweetreihe einer Erzieherin gelesen die aus ihrer Perspektive auch noch einmal schrieb das ihr eben kein Kind leid tut was den Tag mit ihr verbringen darf will sie ihren Beruf mit Wissen und Liebe ausübt. Derzeit gibt es nur Verlierer. Was wir brauchen sind selbstbewusste, solidarische Menschen um da einen Wandel im Geselschaftsbild zu erzielen.

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